Vergütung nach EUWID: So lesen Sie den Preisindex für Altpapier und Folie

Sie erfahren, wer hinter dem EUWID steht, wie die Werte für Altpapier und Folie entstehen, welche Fragen Sie bei einer Vergütung nach EUWID klären sollten und warum Zu- und Abschläge dazugehören.

BEMA VerpackungsabfallZertifizierter Entsorgungsfachbetrieb
Stand: 9 Min. Lesezeit
Gestapelte Kartonballen auf einem Freigelände
Stand Oktober 2026Der EUWID erscheint einmal im Monat; die Preistabellen sind nur im Abonnement zugänglich.
Inhalt dieses Artikels

Vergütung nach EUWID: So rechnen wir bei BEMA, und so wird zum Beispiel auch die Vergütung der Stadt Karlsruhe für ihr Altpapier fortgeschrieben. Doch was steckt hinter dem EUWID für Altpapier? Wer ermittelt die Werte, wie lesen Sie sie, und warum entspricht Ihre Vergütung nicht einfach dem Wert aus der Tabelle?

Dieser Artikel erklärt, wie EUWID-Angaben entstehen, was für Folie gilt, wie sich der EUWID vom amtlichen Index und vom FOEX unterscheidet und wie daraus Ihre Vergütung wird. EUWID-Preise drucken wir nicht ab. Die Inhalte sind urheberrechtlich geschützt und nur für den eigenen Gebrauch der Abonnenten bestimmt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was: EUWID ist ein Fachinformationsdienst. Seine Preisspiegel beruhen auf Meldungen von Marktteilnehmern; er ist weder eine Börse noch ein amtlicher Index.
  • Altpapier: EUWID erhebt jeden Monat die Preisveränderungen für neun Altpapiersorten in Deutschland.
  • Folie: Für Altkunststoffe gibt es eigene Reihen, zum Beispiel für transparente PE-Folie.
  • Zugang: Die Preistabellen gibt es nur im Abonnement. Kostenlos ist der amtliche Index der Großhandelsverkaufspreise, allerdings nur als Indexzahl.
  • Auszahlung: Der EUWID ist nur die Bezugsgröße. Zu- und Abschläge und Kosten für Abholung und Technik verändern den Betrag.

Vergütung nach EUWID: Was das bedeutet

Wir vergüten nach dem EUWID, den wir auf unserer Website als Preisindex für Sekundärrohstoffe bezeichnen. Er erscheint einmal im Monat. Welchen Wert wir für PPK zugrunde legen, steht unten bei den fünf Fragen zum Lesen von EUWID-Angaben.

Genau genommen ist der EUWID kein Index im amtlichen Sinn und keine Börse. Er besteht aus Preisspiegeln und Marktberichten eines Fachinformationsdienstes. In Verträgen dient er als Bezugsgröße. Ist eine Vergütung nach EUWID vereinbart, folgt sie dem Markt: Steigen die Werte, steigt die Vergütung, fallen sie, sinkt sie.

Ein Beispiel aus dem öffentlichen Bereich: Die Stadt Karlsruhe erhält für das Vermarktungsrecht an ihrem gesammelten Altpapier eine variable Vergütung. Sie wird monatlich indexgebunden fortgeschrieben, Grundlage ist die von EUWID monatlich veröffentlichte Preisänderung. Der Vertrag läuft seit 1. September 2025 zunächst bis Ende 2026 und verlängert sich ohne Kündigung um bis zu zwei Jahre, längstens bis Ende 2028.

Wer ist EUWID?

Hinter dem Kürzel steht die EUWID Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH, ein Fachinformationsdienst. Für die Recycling- und Entsorgungsbranche veröffentlicht er Nachrichten und Marktberichte, unter anderem zu Altpapier und Altkunststoffen.

Die Preisspiegel erstellt nach eigenen Angaben ein Team von Wirtschaftsredakteuren, auf Grundlage umfangreicher und regelmäßiger Kontakte zu Marktteilnehmern. Die Werte entstehen also aus Meldungen von Unternehmen, die Altpapier oder Altkunststoffe verkaufen und kaufen.

Wie EUWID Altpapierpreise ermittelt

Für den deutschen Altpapiermarkt erhebt EUWID jeden Monat die Preisveränderungen für neun Sorten. Grundlage sind Meldungen von Entsorgern und aus der Papierindustrie, also von beiden Seiten des Marktes. Auf der Marktseite genannt werden unter anderem:

  • Gemischte Ballen: entspricht im Markt der Sorte 1.02 nach DIN EN 643
  • Kaufhausaltpapier: Marktname für die Sorte 1.04
  • Wellpappen-II-Abfälle
  • weitere Sorten wie Deinkingware, Bunte Akten, Multidruck, Weiße Rotationsabfälle und weiße ungestrichene Späne holzfrei

Für gewerbliche Kartonagen sind vor allem die unteren Sorten wichtig. Welche Sorte Ihre Ware ist und welche Toleranzen gelten, erklärt der Artikel Altpapier und Kartonagen verkaufen.

Der Marktbericht Altpapier Deutschland erscheint einmal im Monat, 2026 jeweils etwa zur Mitte des Monats. Die Preistabellen sind nur mit gültigem Abonnement und Anmeldung zugänglich, EUWID bietet einen kostenlosen Testzugang an. Zusätzlich gibt EUWID jeden Monat die amtlichen Indexwerte des Statistischen Bundesamts für Altstoffe wieder.

Folie und Kunststoffe bei EUWID

Für Altkunststoffe befragt EUWID Anbieter und Nachfrager zur aktuellen Preissituation in Deutschland und berichtet monatlich. Für Folien gibt es eigene Reihen, unter anderem:

  • PE-Folie transparent natur und PE-Folie transparent farbig, jeweils unter 70 µm
  • PE-Gewerbemischfolie (90/10) und (80/20)
  • LDPE-Folie natur (K40) und bunt (K49)
  • LDPE-Schrumpfhauben natur (E40) und bunt (E49)

Schon die Namen zeigen, worauf es bei Folie ankommt: transparent oder farbig, sortenrein oder gemischt. In unseren Beispielrechnungen steht „PE-Folie (Qualität 98/2)“. „98/2“ ist kein EUWID-Sortenname, sondern eine Handelsbezeichnung für sehr saubere, transparente Folie. Eine einheitliche Definition gibt es dafür nicht. Fragen Sie deshalb nach, welche Reihe und welche Qualitätsanforderung ein Abnehmer zugrunde legt. Wie Sie Folie im Betrieb sammeln und verkaufen, lesen Sie im Artikel Folie im Betrieb entsorgen oder verkaufen.

Neuware und Folienabfall laufen nicht im Gleichschritt

Preise für Kunststoff-Neuware lassen sich nicht direkt auf Folienabfall übertragen. Laut bvse-Marktbericht stiegen die Preise für LDPE-Neuware in Folienqualität im März 2026 kräftig, die Preise für Folienabfälle nur leicht. Im Juli 2026 fielen die Neuwarepreise deutlich, die Reihen für Folienabfälle gaben weit weniger nach. Das ist eine Marktbeobachtung aus zwei Monaten, keine feste Regel und keine Aussage über unsere Vergütung.

Was sind Ihre Kartonagen wert?

Der Abfall-Rechner zeigt den möglichen Materialwert Ihrer Kartonagen in Ballenform, mit 10 % transparenter PE-Folie und ohne Logistikkosten. Für die vollständige Rechnung beraten wir Sie kostenlos.

Ihr Ansprechpartner: Marc Schleibaum, Geschäftsführer

Marc Schleibaum, Geschäftsführer BEMA Verpackungsabfall

So lesen Sie EUWID-Angaben: fünf Fragen

Eine Vergütung nach EUWID ist erst nachvollziehbar, wenn diese fünf Fragen beantwortet sind:

  1. Welche Sorte?

    EUWID nennt Werte je Sorte. Ihre Ware muss zu der Sorte passen, nach der vergütet wird. Kartonagen gehören in der Regel zu den unteren Altpapiersorten, Folie hat eigene Reihen.

  2. Welcher Monat?

    Die Werte können sich jeden Monat ändern. Klären Sie, ob der Monat der Veröffentlichung oder der Monat der Abholung gilt.

  3. Welcher Wert?

    Für PPK zahlen wir fast ausschließlich mindestens den sogenannten „mittleren EUWID“. Lassen Sie sich bei jedem Angebot erklären, welcher Bezugswert gemeint ist.

  4. Welche Zu- und Abschläge?

    Zu- und Abschläge sind beim EUWID gängige Praxis. Fragen Sie, welche für Ihre Ware gelten. Unabhängig davon ziehen Papierfabriken Feuchte über 10 % vom Gewicht ab und stufen Ware mit zu vielen Fremdstoffen in eine andere Sorte um; beides mindert den Wert einer Lieferung. Worauf es dabei ankommt, zeigt der Leitfaden Ballenqualität.

  5. Welche Kosten werden gegengerechnet?

    Klären Sie, welche Kosten von der Vergütung abgehen, etwa für Abholung und Technik.

Weitere Antworten zur Vergütung stehen in unseren häufigen Fragen.

Warum EUWID-Werte schwanken

Der EUWID bildet den Markt ab, und der Markt bewegt sich. Die Preisentwicklung lässt sich nicht seriös vorhersagen, ähnlich wie bei Benzin oder Gas. EUWID-Berichte aus dem Herbst 2025 nennen zum Beispiel diese Einflüsse:

  • Maschinenstillstände in Papierfabriken dämpften den Bedarf.
  • Die Sammelmengen sanken in den Ferien und stiegen danach wieder.
  • Größere Mengen aus anderen EU-Ländern gingen nach Fernost.
  • Die Sorge vor einem Abfluss in den Export stützte die Preise.

Wie stark die Ausschläge sein können, zeigt der amtliche Index der Großhandelsverkaufspreise; die Werte seit 2017 und ihre Hintergründe stehen im Artikel Altpapier und Kartonagen verkaufen.

EUWID, Destatis und FOEX: die Unterschiede

Neben dem EUWID begegnen Ihnen zwei weitere Quellen: der amtliche Index des Statistischen Bundesamts (Destatis) und die PIX-Indizes von FOEX, heute Fastmarkets.

MerkmalEUWIDDestatisFOEX (Fastmarkets)
HerausgeberEUWID Europäischer Wirtschaftsdienst GmbHStatistisches BundesamtFOEX Indexes, seit 2019 Fastmarkets FOEX
MethodePreisspiegel aus Meldungen von Entsorgern und Papierindustrieamtlicher Index der GroßhandelsverkaufspreiseIndex aus Angaben von Käufern und Verkäufern, beide gleichermaßen vertreten
Altpapiersortenneun Sortenmehrere Reihen, u. a. gemischtes Altpapier, Verpackungen aus Papier und Pappe, Deinkingwarefür Deutschland u. a. 1.04 (bei Einführung 2015 auch 1.02 und 1.11)
Erscheinenmonatlichmonatlichmonatlich
ZugangAbonnement, TestzugangkostenlosWerte auf Anfrage
Was die Zahl istPreise und Preisveränderungen je Sorte, Einzelheiten nur im AboIndexzahl (2021 = 100), keine EuroEuro je Tonne, frei Werk

FOEX-Angaben nach der Einführungsmeldung von 2015 und der Fastmarkets-Produktseite (abgerufen Oktober 2026); „frei Werk“ übersetzt die Lieferbasis „Delivered“.

Zum FOEX unsere Einschätzung: Wir kennen ihn nur aus dem Internet, weil Lieferanten uns ab und zu darauf hinweisen. In der Entsorgungswirtschaft spielt er augenscheinlich keine Rolle, und uns ist keine Papierfabrik bekannt, die ihn als Grundlage für die Vergütung nimmt. Selbst dann wäre offen, mit welchen Zu- oder Abschlägen er belegt würde.

Der Destatis-Index ist die einfachste kostenlose Orientierung. Er zeigt die Richtung des Marktes, aber keinen Betrag, den Sie für Ihre Ware erhalten.

Vom EUWID zur Auszahlung: So rechnen wir

Zwischen dem EUWID-Wert und dem Betrag auf Ihrer Abrechnung liegen mehrere Schritte:

  1. Bezugswert

    Der EUWID-Wert für die passende Sorte und den maßgeblichen Monat.

  2. Zu- und Abschläge

    Sie passen den Bezugswert an, zum Beispiel an die Qualität der Ware.

  3. Vergütung

    Sie ergibt sich aus Bezugswert, Zu- und Abschlägen und der abgeholten Menge.

  4. Gegenrechnung

    Von der Vergütung gehen Kosten für Abholung und Technik ab. Wie die vollständige Rechnung mit eingesparten Entsorgungskosten aussieht, zeigt der Artikel Abfall verkaufen statt entsorgen an drei Beispielrechnungen von BEMA (ohne Gewähr, laut BEMA auf veralteten Daten).

Was das für Ihre Menge bedeutet, rechnen wir in einer Kosten-Nutzen-Analyse mit Ihnen durch: Beratung anfragen. Einen ersten Anhaltspunkt für den Materialwert Ihrer Kartonagen gibt der Abfall-Rechner.

Häufige Fragen

Was ist der EUWID?

EUWID steht für die EUWID Europäischer Wirtschaftsdienst GmbH, einen Fachinformationsdienst. Er veröffentlicht monatlich Marktberichte und Preisspiegel für Sekundärrohstoffe wie Altpapier und Altkunststoffe. Die Werte beruhen auf Meldungen von Marktteilnehmern.

Wie oft erscheint der EUWID für Altpapier?

Einmal im Monat. 2026 erscheint der Marktbericht Altpapier Deutschland jeweils etwa zur Mitte des Monats.

Kann ich die EUWID-Preise kostenlos sehen?

Nein. Die Preistabellen sind Abonnenten vorbehalten, es gibt einen kostenlosen Testzugang. Kostenlos ist der Index der Großhandelsverkaufspreise des Statistischen Bundesamts, der aber nur Indexzahlen zeigt, keine Euro-Beträge.

Was ist der Unterschied zum FOEX?

FOEX, heute Fastmarkets, veröffentlicht PIX-Indizes für wenige Altpapiersorten, für Deutschland unter anderem 1.04, als Lieferpreis frei Werk. Nach unserer Erfahrung spielt der FOEX in der Entsorgungswirtschaft augenscheinlich keine Rolle; uns ist keine Papierfabrik bekannt, die danach vergütet.

Bekomme ich genau den EUWID-Wert?

Nein. Der EUWID ist eine Bezugsgröße. Er wird um Zu- und Abschläge angepasst, und von der Vergütung gehen Kosten für Abholung und Technik ab. Was für Ihre Menge gilt, steht in Ihrem Rohstoffangebot.

Quellen und Rechtsstand

Stand: 17. Oktober 2026. Marktpreise ändern sich; wir prüfen die Artikel regelmäßig.

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BEMA Verpackungsabfall

Zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb · Niefern-Öschelbronn und St. Veit an der Glan

BEMA Verpackungsabfall ist zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb mit Sitz in Niefern-Öschelbronn und einem Standort in St. Veit an der Glan (Österreich). Wir sind seit 2008 im Geschäft, kaufen Verpackungsabfälle wie Kartonagen und Folien direkt bei Betrieben an, setzen dafür auf die Ballenpresse direkt an der Anfallstelle und organisieren die Abholung der Ballen.

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Bitte beachtet die jeweilige Logistikanweisung für den Maschinentyp.

Wir verwenden Paletten aus naturbelassenem Holz. Diese sollten nicht farbig 

sein.

Wichtige Information: Das Typenschild befindet sich links oder rechts an Ihrer Maschine. Auf dem Typenschild finden Sie die Typenbezeichnung und Seriennummer Ihrer Presse. Die Abholung erfolgt nur für die Ballen aus der Maschine mit der genannten Seriennummer.